Vom 2. bis 4. September 2026 fand an der University of Bristol die 28. International Conference on Engineering and Product Design Education (E&PDE 2026) statt. Die internationale Konferenz bringt Forschende, Lehrende und Praktiker zusammen, um aktuelle Fragestellungen und neue Ansätze in der Ingenieurausbildung und Produktentwicklung zu diskutieren.
Auch die ARTECH Consulting GmbH war mit einem wissenschaftlichen Beitrag vertreten. Es wurde ein Vortrag mit dem Titel „Adapting Guideline-Based Engineering Training for Culturally Diverse Teams: Insights from Industrial CAD/PLM Transitions“ präsentiert.
Im Mittelpunkt des Beitrags steht eine Herausforderung, die insbesondere bei internationalen CAD/PLM-Transformationen eine wichtige Rolle spielt. Unternehmen möchten über verschiedene Standorte hinweg gemeinsame Modellierungsstandards, Prozesse und Arbeitsweisen etablieren. In internationalen Engineering-Teams treffen gleichzeitig unterschiedliche berufliche Erfahrungen, Ausbildungshintergründe und Herangehensweisen an Regeln und Problemlösungen aufeinander.
Gemeinsame Standards – unterschiedliche Zugänge
Technische Richtlinien und Guidelines sind ein wichtiges Instrument, um bei CAD/PLM-Transformationen ein gemeinsames Verständnis von Prozessen, Modellierungsregeln und Qualitätsanforderungen zu schaffen. Die Untersuchung zeigt jedoch, dass identische Richtlinien nicht zwangsläufig von allen Anwenderinnen und Anwender auf die gleiche Weise interpretiert und genutzt werden.
In der betrachteten industriellen CAD/PLM-Transformation zeigten sich zwei produktive Formen der Auseinandersetzung mit Guidelines: Einige Anwenderinnen und Anwender bevorzugten klare, explizite und schrittweise Vorgaben. Andere betrachteten die Guidelines dagegen eher als Rahmenwerk, das mit professioneller Erfahrung und dem jeweiligen Anwendungskontext verbunden werden muss. Beide Herangehensweisen können erfolgreich sein, wenn Raum für Rückfragen, Erläuterungen, Diskussionen und Reflexion geschaffen wird.
Guidelines als vermittelnde Lernwerkzeuge
Eine zentrale Erkenntnis der Arbeit ist deshalb, dass Guidelines nicht als statische Sammlung von Anweisungen verstanden werden sollten.
Vielmehr können sie als vermittelnde Lernwerkzeuge dienen. Zunächst schaffen sie einen gemeinsamen Referenzrahmen, der anschließend durch Beispiele, Diskussionen und Erfahrungen kontextualisiert wird. Dadurch unterstützen sie die Übertragung gemeinsamer Standards auf reale Engineering-Aufgaben.
Insbesondere in kulturell und professionell vielfältigen Teams kann dieser Ansatz dazu beitragen, Standardisierung und die erforderlichen lokalen bzw. fachlichen Anpassungen miteinander zu verbinden.

Von der Standardisierung zum gemeinsamen Verständnis
Aus den Ergebnissen wurde ein „culturally responsive guideline-learning framework” abgeleitet. Dieses Framework verbindet einen gemeinsamen Engineering-Standard mit unterschiedlichen Formen der Auseinandersetzung, gezielter Klärung und Kommunikation sowie Reflexion und Feedback. Das Ziel besteht darin, ein kontextbezogenes Verständnis zu entwickeln, bei dem zentrale Standards erhalten bleiben und gleichzeitig professionelles Urteilsvermögen möglich ist.
Relevanz für die industrielle Praxis
Bei internationalen CAD/PLM-Projekten kann erfolgreiche Standardisierung nicht allein durch die Bereitstellung technischer Dokumentationen erreicht werden. Ebenso entscheidend ist, wie Richtlinien vermittelt, diskutiert und in den jeweiligen Anwendungskontext übertragen werden.
Damit verbindet die Arbeit zwei für die ARTECH Consulting GmbH besonders bedeutende Themenfelder: die erfolgreiche Umsetzung von CAD/PLM-Transformationen und die praxisorientierte Qualifizierung von Engineering-Teams.
Die zentrale Botschaft lautet: Standardisierung und Inklusion sind keine Gegensätze. Gemeinsame Engineering-Standards können mit unterschiedlichen Lern- und Denkweisen verbunden werden, wenn Interpretation, Dialog und Reflexion Teil des Lernkonzepts sind.
Der vollständige wissenschaftliche Beitrag ist über die Design Society verfügbar: DOI: 10.35199/EPDE.2026.80

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